„Fasst mich nicht an“, ruft sie instinktiv und spuckt die Säure aus.
Sie gründet einen Verein, um ähnlich entstellten Menschen Mut zu machen. Beide waren Adoptivkinder, das verband die zwei. Vor einem Jahr wurde Vanessa Münstermann von ihrem Ex-Freund mit Schwefelsäure verätzt. Die junge Frau strahlt von innen. Ob er das Schmerzensgeld an seine Ex-Freundin je zahlen können wird, ist unklar. Säureopfer Vanessa will anderen Mut machen Auch für Menschen, die von Geburt an entstellt sind, möchte sie Ansprechpartnerin sein und sie ermutigen, mit ihrem Schicksal offensiv umzugehen. Eine Frau hört ihre Schreie, eilt zur Hilfe. Ihre linke Gesichtshälfte war eine einzige Fleischwunde, als sich Vanessa Münstermann nach dem Aufwachen aus einem künstlichen Koma im Krankenhausbett für örtliche Zeitungen fotografieren ließ. Das Ohr fehlt, ein Auge ist fast komplett zerstört, der Mund hängt schief. Pro Jahr erleiden in Deutschland nach Angaben des Selbsthilfeverbandes Cicatrix rund 700.000 Menschen eine Verbrennung, dazu zählen auch Opfer von Strom und Säure. „Ich bin wirtschaftlich wertlos.“ Zwölf Jahre lang müsse sie sich wahrscheinlich noch immer wieder neu operieren lassen. Etwa 18 000 von ihnen müssen im Krankenhaus, 3000 in einem Brandverletztenzentrum behandelt werden.
Hier plant sie gerade ein Zukunftsprojekt: Mit einem neuen Verein will sie Menschen mit ähnlichem Schicksal helfen. Der Unterstützerkreis „We love Vanessa“ hatte sich gegründet. Diese Entscheidung verkündete das Landgericht Hannover am Dienstag. „Er schreibt die Briefe nicht in dem Sinn, es tut mir leid, dass ich dir das angetan habe, sondern als ob wir einen Autounfall hatten. „Oh Scheiße!“, mehr nicht. „Ich habe eine einstweilige Verfügung gegen dich“, lügt sie, um den Ex-Freund zu vertreiben. Februar, gegen 5.30 Uhr, in Hannover-Leinhausen:Wie jeden Morgen geht die junge Frau früh mit ihrem Hund, der Beagle-Dame Kylie, aus dem Haus. Daniel F. sitzt im Gefängnis in Hannover. Die Situation eskalierte. Vanessa will sich weder von Schmerzen noch von negativen Reaktionen einschränken lassen. Seitdem wurde sie mehr als 20 Mal operiert. Vor einem Jahr hatte der Ex-Freund die Kosmetikerin in Hannover mit Säure übergossen.
August wurde der 33-Jährige im Landgericht Hannover für seine Säureattacke zu zwölf Jahren Haft wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Der Sicherheitshinweis auf der Verpackung ist eindeutig, vor schweren Haut- und Augenschäden wird gewarnt. Ob sie das Geld jedoch jemals bekommt, ist ungewiss.Das Säureopfer Vanessa Münstermann hat 250.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen bekommen. Ihr Gedanke, als sie sich zum ersten Mal erblickt? Und sie hat Angst um ihr Leben, sollte sie ihrem Peiniger irgendwann wieder begegnen. „Häufig kann die Polizei nur tätig werden, wenn bereits etwas passiert ist.“ Bei massiver Gefährdung müsse es aber möglich sein, wie in einem Zeugenschutzprogramm unter neuer Identität unterzutauchen, wenn Täter sich nicht von Kontaktsperren und Platzverweisen abschrecken ließen. Ihre Geschichte in Bildern. Ihre linke Gesichtshälfte war eine einzige Fleischwunde, als sich Vanessa Münstermann nach dem Aufwachen aus einem künstlichen Koma im Krankenhausbett für örtliche Zeitungen fotografieren ließ. Doch dann lernte sie schon in der Reha einen jungen Mann kennen, weitere Flirts folgten. Mehrere Jahre nachdem Vanessa Münstermann von ihrem Ex-Freund mit Säure übergossen wurde, hat sie nun einen Sieg in einem Zivilprozess am Landgericht Hannover errungen. Er terrorisierte sie telefonisch, beleidigte sie über soziale Medien. So schilderte es Vanessa als Nebenklägerin in dem Gerichtsprozess gegen den Angreifer. Es komme eher in Bangladesch und Indien vor, sagt Referentin Birte Rohles. Zum Auftakt des Zivilprozesses hatte die Richterin gesagt, die Schmerzensgeld-Forderung sei hoch, aber es sei "eine extreme Tat mit extremen Folgen" gewesen. Sie gehen zum Beispiel nur im Dunkeln spazieren.Vanessa Münstermanns Botschaft ist dagegen: „Seht her, sprecht mich an!“ Für den Termin vor der dpa-Kamera hat sie knallroten Lippenstift gewählt und die Narben mit Theaterschminke abgedeckt. Februar 2016 bei der Polizei wegen Stalkings und Gewalt an. Ihnen möchte sie helfen. An einem Montag im Februar 2016 wurde die 28-jährige Hannoveranerin von ihrem Ex-Freund mit Säure übergossen. Er hat mich mit eingesperrt – und wenn es nur in meiner eigenen Haut ist.“ Im Krankenhaus plagte Vanessa die Angst, nie wieder einen Mann abzukriegen, alleine zu sterben. Die meisten Brandverletzten hatten Unfälle im Haushalt, unter ihnen sind nur wenige Gewaltopfer.
Vor einem Jahr sollte sich Vanessas Leben für immer verändern. Kann sie arbeiten, hat sie Ideen für die Zukunft?Treffen mit Vanessa in einer Büroetage im Zentrum von Hannover. Der Name „AusGezeichnet“ steht für ihre hochfliegende Idee: Auch wenn sie nach der Attacke des Ex-Partners für ihr Leben gezeichnet ist, möchte sie die entstellenden Narben ins Positive umkehren. Das Gelächter einer Gruppe von etwa zehnjährigen Jungen im Bus, das sie erlebt hat, sei eine Ausnahme.Gerade Jüngere gingen auf sie zu und machten ihr Komplimente. „Man fühlt sich so, als ob man der einzige Betroffene sei.“ Auch die Vorsitzende des Bundesverbandes für Brandverletzte, Petra Krause-Wloch, sagt: „Unsere Gesellschaft toleriert nur ganz, ganz schwer andersartige Menschen.“ Viele Menschen verstecken sich, wie sie sagt, nach einer solchen Verletzung.
Das schockierende Foto aus dem Krankenhaus mit dem blutig verkrusteten Gesicht steht immer noch auf ihrer Facebook-Seite. „Ich möchte keine Revision einlegen, in anderen Ländern hätte ich die Todesstrafe erhalten“, sagte F. im Gerichtssaal.
Aber sie versteckt sich nicht, sondern will anderen Entstellten Mut machen. Aber in fünf Jahren würde sie gerne wieder bei ihren Eltern ausgezogen sein, die ihr nach dem Anschlag das Dachgeschoss des Hauses zur Verfügung stellten.